Ein Update für unser Schulsystem

A – Agenda Schule 2035
Die Schule der Zukunft muss jedem Einzelnen das Rüstzeug mitgeben und die Kompetenzen vermitteln, die ihm ermöglichen, seine individuellen Potentiale voll auszuschöpfen und das zu werden, was er will. Wir brauchen ein Update für unsere Schulen, damit sie Schülerinnen und Schüler nicht länger auf eine Welt vorbereiten, die es nicht mehr gibt.

Bildung ist unser wichtigster Rohstoff. Schulen sind einer der zentralen Orte, an denen dieser Rohstoff gefördert wird. Wir müssen ihnen deshalb endlich den Stellenwert einräumen, den sie verdienen. Eine veraltete Ausstattung, überholte Lern- und Lehrkonzepte, mangelnde Vergleichbarkeit und eine praxisferne Lehrerausbildung sind akute Probleme des Betriebssystems Schule. Das altersschwache Schulsystem wurde durch das Corona-Virus im vergangenen Jahr vollständig lahmgelegt und in einen Limbus zwischen „Kreide“-Zeit und Digitalzeitalter versetzt.

Mit der Agenda Schule 2035 verpassen wir unseren Schulen das benötigte Update. Mit diesem tragen wir dazu bei, dass Bildungserfolg nicht mehr von der Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern abhängt. Wir wollen individuelle Stärken besser fördern und dafür sorgen, dass Schwächen gezielt ausgeglichen werden.

Das aktuelle Bildungssystem in Schleswig-Holstein mit all seinen unterschiedlichen Schulformen ist bei Weitem nicht perfekt. Mit einem Politikwechsel in der Landesregierung ging oftmals eine Neuausrichtung der Gliederung des Schulsystems einher. Dies führte vor allem zu Unsicherheiten bei Schülern, Eltern und Lehrern und nicht zu den angestrebten Verbesserungen im Bildungssystem. Wir wollen mit Reformen daher nicht bei einer erneuten Gliederung des Schulsystems ansetzen, sondern in den Bereichen Lehrerausbildung, Kompetenzvermittlung und Digitalisierung. Unsere Vorschläge zielen darauf ab, die Qualität der Bildung im Land nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig Schulen, Lehrkräften und Schülern mehr Freiheiten und Gestaltungsspielraum zu ermöglichen. Ein transparenter Leistungswettbewerb, insbesondere zwischen weiterführenden Schulen, kann die Qualität des Bildungswesens verbessern.

Hierzu fordern wir:
• Ausgaben für Bildung bei der Priorisierung einen höheren Stellenwert einzuräumen. Sparmaßnahmen im Bildungshaushalt dürfen nur als Ultima Ratio vorgenommen werden.
• mehr Autonomie für die Schulen. Jede Schule soll sich ein eigenes Profil geben und Personal, Lehrmittel und Lehrmethoden selbst auswählen können. Hierzu bekommt jede Schule ein eigenes Budget, welches sie flexibel einsetzen kann.
• die Finanzierung von Schulen in ein Bildungsgutschein-Modell umzuwandeln: Die Schule erhält einen bestimmten Betrag pro Schüler, über den sie eigenverantwortlich verfügt. Hinzu kommt ein Sockelbetrag, der das Überleben von Schulen gerade im ländlichen Raum ermöglicht. Der Wert der Bildungsgutscheine variiert nach Alter und Bedarf.
• an jeder Schule soll eine optionale Nachmittagsbetreuung angeboten werden.
• ein funktionierendes Beratungs- und Unterstützungsangebot aus Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern und Beratungslehrern an den Schulen zu etablieren.
• den Gymnasien im Land weiterhin die Möglichkeit zu geben, zwischen achtjährigen (G8) und neunjährigen Bildungsangeboten (G9) zu wählen.

Lehrkräfte
Ein zentraler Baustein für den Lernerfolg sind gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte. Hierbei ist eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig praxisnahe Ausbildung der Lehrkräfte von zentraler Bedeutung.
Aktuell übernehmen viele Lehrkräfte neben ihrer reinen Lehrtätigkeit weitere Aufgaben. Lehrkräfte sollten sich in Zukunft wieder auf ihre Kerntätigkeiten fokussieren können. Dies ist nicht nur der Steigerung der Qualität des Unterrichts dienlich, sondern verbessert auch die Attraktivität des Berufs.

Hierzu fordern wir:
• das Lehramtsstudium perspektivisch in ein praxisintegriertes duales Studium umzuwandeln, damit angehende Lehrkräfte bereits ab Studienbeginn Lehrerfahrung sammeln können. Hier soll fordern wir die Einrichtung eines Pilotprojektes für ein solches duales Studium, das gleichwertig mit dem aktuellen Universitätsstudium sein soll. Duale Studenten können den Lehrkräfte unterstützen (z.B. bei der Korrektur von Leistungsnachweisen), Unterrichtsausfälle abfedern und bei der individuellen Förderung der Schüler mitwirken.
• Bis ein solches duales Studium flächendeckend umgesetzt ist, soll es die Möglichkeit geben, Lehrkräfte in Ausbildung und andere Hilfskräfte für unterstützende Tätigkeiten, wie z.B. Korrekturen zu beschäftigen.
• den Lehrermangel an den Schulen im Land – insbesondere an den Grundschulen – bekämpfen. Dafür müssen wir den Lehrerberuf attraktiver machen und dafür sorgen, dass Absolventen nach dem Studium im Land bleiben. Hierzu wollen wir die zeitweilige Arbeitslosigkeit von Vertretungslehrern und Referendaren über die Sommerferien beenden.

Abschlüsse, Noten und Vergleichbarkeit
Schulabschlüsse innerhalb Deutschlands müssen vergleichbar sein. Hinter dem jeweiligen Schulabschluss müssen erworbene Fertigkeiten stehen, die Lehrpläne und Prüfungen müssen an diese Anforderungen flächendeckend angepasst werden. Ein Gymnasialabschluss soll einer Hochschulbefähigung entsprechen, der mittlere Schulabschluss muss zur Aufnahme der überwiegenden Anzahl von Ausbildungsberufen befähigen. Der erste Schulabschluss ist ein Nachweis für grundlegende Fertigkeiten in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen.
Außerdem muss das Benotungssystem die tatsächlichen Leistungen repräsentieren, was durch das aktuelle Ü-Noten-System nicht der Fall ist.

Hierzu fordern wir:
• mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem. So sollen die Abschlüsse an den Schulformen nach dem Kredo „Kein Abschluss ohne Abschluss“ jeweils zum Anstreben des nächst höher gelegenen Bildungsabschlusses befähigen. Hierzu sollen Lehrpläne soweit möglich aufeinander abgestimmt und, falls erforderlich Aufbaukurse geschaffen werden, um einen Wechsel so einfach wie möglich zu gestalten.
• eine verpflichtende Beratung im Sinne einer Schulartenempfehlung in der 4. Klasse.
• die Bewertung von Leistungen an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe auf einer einheitlichen Notenskala (grundlegendes Anforderungsniveau). Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe sollen zwei Leistungsniveaus anbieten (grundlegendes Anforderungsniveau und erhöhtes Anforderungsniveau), zwischen welchen sich die Schüler entschieden können. Die Bewertung in der Oberstufe erfolgt weiter auf erhöhtem Anforderungsniveau.
• einheitliche schriftliche Abschlussprüfungen für alle Schulabschlüsse. Insbesondere ein bundesweites Zentralabitur mit gleichen schriftlichen Prüfungen in allen der an Bundesländern.
• Klausuren in Abschlussklassen sollen wie an Universitäten bereits üblich anonym bewertet werden.
• Noten als Leistungsnachweise ab der 3. Klasse beizubehalten. Bewertungsbögen als einzige Leistungsnachweise ab der 3. Klasse sind abzuschaffen.

Lerninhalte und Kompetenzen
Durch die Möglichkeiten im digitalen Zeitalter wird die Lehrkraft immer mehr zum Lernbegleiter. Die Vermittlung von Lernstrategien sollte zum grundlegenden Inhalt werden.
Es gilt, grundlegende Kompetenzen, wie Rechtschreibung und Grammatik, Textverständnis und -produktion, Rechnen und analytisches Denken zu vermitteln und über die Schulzeit zu festigen.

Hierzu fordern wir:
• den Aufgabentypus für Leistungsnachweise umzugestalten: hier sollte es vielmehr um das Lösen der Aufgaben mit den vermittelten Kompetenzen gehen, als um die Abfrage von Fakten.
• Klassische Lerninhalte können mit neuen Formaten vermittelt werden. Die Vermittlung von Faktenwissen, soll unter der Anwendung von Technologien geschehen, die längst Alltag sind. Hierzu gehören die Produktion und Verarbeitung von Bildern und Videos, Tonaufnahmen und andere digitale Formate.
• das Curriculum nicht weiter mit immer mehr Lerninhalten aufzublähen. Vielmehr sollte dieses entschlackt und mehr Wahlfreiheit ermöglichen. Hierbei kann jede Schule über ihr Profil einen eigenen Schwerpunkt setzen.

Schulen der Zukunft:
Der Lernortschule muss im 21. Jahrhundert ankommen und die Schüler auf einen erfolgreichen Einstieg in ein selbstständiges Leben vorbereiten. Hierzu gehört nicht nur die Vermittlung von Fertigkeiten für die weitere Ausbildung, sondern auch eine Vorbereitung auf das gesellschaftliche Leben und den beruflichen Werdegang. Dazu mangelt es in unserem Schulsystem häufig an Praxis. Eine verstärkte Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen, aber auch Forschungseinrichtungen oder anderen Partnern, kann einen praxisnäheren Schulalltag ermöglichen.
Schulen sollen auch räumlich zu Lernorten der Zukunft werden. Je nach Profil können diese Lernräume ganz unterschiedlich gestaltet werden. Beispielsweise können analoge und digitale Werkstätten, in welchen es die Möglichkeit gibt Videos zu schneiden, digitale Fotographie zu lernen etc. eingerichtet werden. Hierbei soll Schulen ein größtmögliches Maß an Freiheit eingeräumt werden.
Zudem wollen wir den Schulen die Möglichkeit geben, sich mehr in das gesellschaftliche Leben vor Ort zu integrieren.

Hierzu wollen wir:
• Innovationsfonds zur Finanzierung von innovativen Schulversuchen bereitstellen, um den sich staatliche und freie Schulen unbürokratisch bewerben können. Die Genehmigung von Schulversuchen wollen wir vereinfachen.
• ehrenamtliche Tätigkeiten besser in den Schulalltag einbinden. Einzelne Kurse oder Bestandteile der Grundausbildung der Feuerwehr oder des Deutschen Roten Kreuzes können als Wahlfach oder im Rahmen des Ganztags angeboten werden.
• die Kooperationen mit Sportvereinen stärken. Hierzu soll möglich sein, dass ab der 8. Klasse Sportkurse in Vereinen als Alternative zum regulären Sportunterricht gewählt werden können. Um eine entsprechende Qualität sicherzustellen, muss das externe Sportangebot von einem ausgebildeten Trainer (mind. Trainer C-Lizenz) angeboten werden.
• Die Kooperation zwischen Unternehmen und Schulen verstärkt ermöglichen. Hierzu soll an allen Schulformen die Möglichkeit für Gastunterricht von Personal aus der Wirtschaft und Wissenschaft eingeführt werden, um einen praxis- und berufsnahen, sowie vielseitigen Unterricht zu ermöglichen.
• regionalen Bildungsstätten errichten, in denen Schüler ergänzend zum Unterricht praktische Einblicke in MINT-Themen und dazugehörige Berufsbilder erhalten können.
• die Qualität der Berufsorientierung an den Schulen durch Praktika, Ausbildungsbotschafter und Einblicke in die Praxis der Betriebe verstärken.
• einen besseren schulübergreifenden Austausch und einen Austausch der Lehrkräften untereinander ermöglichen. Hierzu soll ein regelmäßiger Austausch auf Ebene der Schulleitung, aber auch zwischen den Fachlehrern im Rahmen einer halbjährig stattfindenden Schulleiter- beziehungsweise Fachlehrer-Forums eingerichtet werden.

B – Bildung digital
Die Gegenwart wird digitalisiert- die Zukunft ist digital. Um Schülerinnen und Schüler adäquat auf den Arbeitsmarkt und das Leben der Zukunft vorzubereiten, bedarf es einer digitalen Revolution im Schulsystem. Gleichzeitig bietet die digitale Bildung eine noch bessere Möglichkeit individuelle Stärken zu fördern und Lernschwächen auszugleichen, ohne dass hierfür mehr Lehrpersonal benötigt wird.
Das Ziel, Schulen digitalisieren zu wollen, ist im Parteienspektrum weitestgehend Konsens. Hier geht es nicht um das „ob“, sondern, vielmehr um das „wie“.

Der Erfolg der Digitalisierung unseres Schulsystems hängt maßgeblich von der technischen Ausstattung der Schulen und der digitalen und mediendidaktischen Kompetenzen der Lehrkräfte ab. Um die Voraussetzungen zu schaffen, setzen wir auf die Bündelung von Kompetenzen in Form einer Landeszentrale für digitale Bildung. Diese soll Lehrerfortbildungen anbieten; Ansprechstelle für Systemadministratoren sein, beim Softwaremanagement unterstützen und Medienkompetenztage anbieten. Für die zusätzliche Angebote im Bereich der IT (Robotik-AGs oder Hackathons) sollen Kooperationen mit lokalen Unternehmen möglich sein.

Der Zugang zu digitaler Bildung muss unabhängig vom Einkommen der Eltern sein. Dazu gehört es sicherzustellen, dass die Bereitstellung von digitalen Endgeräten für alle Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines festgelegten Qualitätsstandards und eine zuverlässige und leistungsfähige Internetverbindung zu Hause sowie in geeigneten LernraumLernräumen am Schulstandort außerhalb des Unterrichts gegeben ist.
Zielführend ist hier die Etablierung einer „Bring-Your-Own-Device-Mentalität“ in Verbindung mit einem Unterstützungsfond für sozial benachteiligte Familien. So bekommen die Erziehungsberechtigten auf der einen Seite die Möglichkeit – im Rahmen der Lernmittelfreiheit – sich für das aus Ihrer Sicht geeignetste Endgerät zu entscheiden. Auf der anderen Seite haben Schülerinnen und Schüler mit sozial benachteiligtem Hintergrund die Möglichkeit, ein qualitativ gleichwertiges Endgerät zu nutzen und gleichzeitig über eine stabile Internetverbindung zu Hause zu verfügen, welche über die Ausstattung mit einem Internetstick oder SIM-Karten in Tablets mit Cellular-Funktion gewährleistet wird. Finanzierbarer macht dieses Modell der Umstand, nicht mehr für alle Schülerinnen und Schüler Endgeräte anschaffen zu müssen, sondern
einen gezielten Fond zu errichten.

Wir werden:
• eine Landeszentrale für digitale Bildung einrichten.
• dafür sorgen, dass die Einrichtung, Wartung und Betreuung der technischen Ausstattung der Schulen nicht mehr in den Händen der Lehrkräfte allein liegt. Hierzu wollen wir einen digitalen Hausmeister (Systemadministrator) an jeder Schule etablieren. Alternativ können auch qualifizierte externe Dienstleister diese Funktion übernehmen. Eine solche Qualifikation kann durch die Landeszentrale für digitale Bildung übernommen werden.
• digitale und mediendidaktische Kompetenzen zum obligatorischen Bestandteil des Lehramtsstudiums machen und verpflichtende Lehrerfortbildungen in diesem Bereich einführen. Der Einsatz und Umgang mit digitalen Lernplattformen ist dabei elementar.
• Medienkompetenztage flächendeckend an allen Schulformen etablieren.
• Medienbildung und den kritische Umgang mit digitalen Medien zum festen Lerninhalt machen, indem neue Formate und digitale Medien Einzug in den Unterricht
• schnelles Internet an jede Schule bringen.
• adäquates WLAN an allen Schulen einrichten.
• jede Schule mit zeitgemäßer und anforderungsgerechter Hard- und Software ausstatten.
• geeignete Lern- und Arbeitsräume mit Internetzugang auch außerhalb der Schule zur Verfügung zu stellen.
• uns auf Bundesebene für die Aufnahme von digitalen Endgeräten in die Leistungskataloge der Sozialgesetzbücher einsetzen, um jedem Schüler die Möglichkeit zu geben am Unterricht der Zukunft teilzunehmen.
• uns dafür einsetzen, dass Schulbücher, die im Schulkanon vorgesehen sind, außer in begründeten Ausnahmefällen (z.B. Klausurrelevanz), nicht verpflichtend analog gekauft werden müssen, wenn diese stattdessen digital erworben werden können.
• es jedem Schüler ermöglichen das Fach Informatik ab der 8. Klasse zu belegen. Wenn keine Lehrkraft an der Schule zur Verfügung steht, soll dies durch digitalen Unterricht über die Landeszentrale ermöglicht werden.
• einen Pool von digitalen Lehrkonzepten über die Landeszentrale zu Verfügung stellen, die von Schulen abgerufen und bedarfsabhängig angepasst werden können.
• eine digitale Plattform zum Austausch von Lehrkräften anbieten. Auf dieser können Unterrichtsideen und Lehrmaterialien ausgetauscht werden können, aber auch gegenseitige Schulbesuche und gemeinsame Projekte initiiert werden.
• die Einführung einer einheitlichen Schulverwaltungssoftware abschließen.
• Ein landesweite Software zur Erstellung von Zeugnissen einführen und Zeugnisse in digitaler Form zur Verfügung stellen. Die Einführung einer bundesweiten Software durch die govdigital zur Erstellung von
Zeugnissen und der Ermöglichung von maschinenlesbaren digitalen Zeugnissen – neben
dem Zeugnis aus Papier – begrüßen wir ausdrücklich.
• durch die Landeszentrale standardisierte Produkt- und Dienstleistungsangebote anbieten, die die Anforderungen des Datenschutzes, des Urheberrechts und der Schnittstellenkompatibilität benutzerfreundlich umsetzen.
• auf den Einsatz von Geräten und Software, die von Staatsunternehmen der VRCh hergestellt und vertrieben werden, verzichten. Wir setzen hier verstärkt auf die Verwendung von Freier/Libre und Open Source Software (FLOSS).

C – Corona-Folgen bewältigen
Die Corona-Pandemie hat zu einem Ausfall unzähliger Stunden des Präsenzunterrichts an den Schulen des Landes geführt. Quasi über Nacht musste zur Pandemiebewältigung landesweit Homeschooling eingeführt und Online-Unterricht etabliert werden. Die Pandemie hat hier ungeplant wie eine flächendeckende Fortbildungsmaßnahme im Bereich der Digitalisierung der für das Schulsystem gewirkt. Es hat sich aber auch gezeigt: ohne Präsenzunterricht geht es nicht.
Heute hätten wir uns gewünscht, besser auf eine solche Krisensituation vorbereitet gewesen zu sein. Es gilt nun, diese Erkenntnisse zu nutzen und für eine Verbesserung des Schulsystems gerade im Bereich der digitalen Bildung zu nutzen.
Trotz aller Bemühungen ist das vergangene Schuljahr ein „verlorenes Jahr“ für viele Schüler. In den vergangenen Monaten lag der Fokus vor allem auf einer Betreuung der Abschlussklassen. Diese konnten einen Teil der Unterrichtsstunden im Wechselunterricht wahrnehmen. Lerndefizite sind vor allem in den unteren Jahrgängen entstanden. Vor allem in den Sprachen und Naturwissenschaften, in denen Lerninhalte aufeinander aufbauen, können sich so entstandene Lücken nachhaltig auf die Bildungserfolg in den kommenden Jahren auswirken. Daher muss es nun oberste Priorität haben, entstandene Defizite durch eine Evaluation zu erkennen, auszugleichen und zu beheben. Die durch Corona bedingten Unterrichtsausfälle dürfen keine langfristigen Schäden in der Bildungsbiographie von Schülern hinterlassen.

Wir fordern:
• eine Evaluation des Lernfortschrittes bei allen Schülern durch vergleichende, digitale Test am Ende des Schuljahres, um durch die Pandemie entstandene Defizite zu erkennen.
• kurzfristig flächendeckend Maßnahme zu etablieren, um erkannte Lerndefizite auszugleichen. Hierzu bedarf es individuell passender Angebote und Wahlmöglichkeiten für die Schüler.
• ein Buddy-System zwischen Schulen und Universitäten im Land zu etablieren. Hierzu sollen angehende Lehrkräfte, aber auch Studenten anderer Fachrichtungen jüngere Schüler in regelmäßigen Abständen digital oder in Präsenz bei den Hausaufgaben betreuen oder bei der Vorbereitung auf Prüfungen unterstützen. Die Bezahlung sollte von Fall zu Fall unterschiedlich und individuell ausgehandelt werden, darf aber pro Stunde nicht unter dem Mindestlohn liegen. Für Familien, die Sozialhilfe beziehen, stellt das Land SH einen Zuschuss zur Verfügung. Etwaige Differenzen zum ausgehandelten Lohn oder Mehrbedarf an Stunden sind durch die Familien in Form von Eigenbeteiligung zu decken. Da nicht alle Orte in SH über eine anliegende Uni verfügen, sollte gerade in Schulen in der Fläche aktiv beworben werden, das Angebot digital wahrzunehmen.
• Ferienkurse und Intensivlernprogramme an den Schulen in den Ferien anzubieten.

Berufsorientierung neu denken – Selbstbestimmt die eigene Zukunft gestalten

Für die Jungen Liberalen ist Bildung die Chance für sozialen Aufstieg und ein selbstbestimmtes Leben. Eine wichtige Entscheidung im Leben von jungen Menschen ist die Wahl des Ausbildungsweges nach der Schule. Studium, duales Studium, Ausbildung und andere Möglichkeiten stehen zur Option. Jeder Einzelne hat Stärken und Schwächen, unterschiedliche Interessen und erste Vorstellungen über seinen kommenden Werdegang. Die Auswahl des passenden Wegs fällt trotzdem oft schwer. Die Berufsorientierung am Ende der Schulzeit sollte Schulabgänger bestmöglich dabei unterstützen, den für sie richtigen Weg zu finden.

Die aktuelle Ausgestaltung der Berufsorientierung an Schulen ist für viele Schülerinnen und Schüler schlicht unattraktiv. Die Formate sind häufig veraltet, Lehrer, die selber nie in den Berufen gearbeitet haben, sollen Einblicke in den praktischen Alltag der unterschiedlichen Berufe geben und die Möglichkeiten für Wege außerhalb von Studium und Ausbildung fehlen fast vollständig.

Berufsorientierung an Schulen braucht ein Update. Wir schlagen folgende konkrete Punkte zur Verbesserung vor:

  1. Eine umfassende, breitgefächerte Berufsorientierung an allen weiterführenden Schulen:

Hierbei sollten berufliche Ausbildung, Studium, aber auch eigene unternehmerische Tätigkeit angesprochen werden. Wichtig ist hierbei nicht die Anzahl der Stunden zu erhöhen, die mit Berufsorientierung verbracht wird, sondern die Qualität des eigentlichen Angebots.

  1. Praktika ermöglichen den besten praktischen Einblick in die Berufswelt:

Deswegen sollten sie in jeden Fall Teil der Berufsorientierung bleiben.

An weiterführenden Schulenzwei verpflichtende Praktika geben. Davon soll mindestens ein Praktikum im Handwerk, öffentlichen Dienstleistungssektor oder in einem sozialen Bereich absolviert werden.

Absolviert ein Schüler weitere Praktika in den Ferien, soll das positiv auf den Zeugnissen Erwähnung finden. Um die Qualität des Praktikums für Schülerinnen und Schüler zu verbessern, soll Unternehmen und staatlichen Einrichtungen ein Leitfaden zur Verfügung gestellt werden.

  1. Lehrkräfte besser auf die Berufsorientierung vorbereiten

Berufliche Bildung besser die Weiterbildung der Lehrkräfte integriert werden.  Außerdem empfehlen wir „Praktika für Lehrkräfte“ in Betrieben oder staatlichen Einrichtungen als Alternative, welche neben den klassischen Weiterbildungen absolviert werden kann. Um Lehrkräfte über neue Formate und Angebote auf dem Laufenden zu halten, empfehlen wir die Einführung eines Newsletter, welcher an die Schulen geht und über neue Initiativen und Angebote vom Bildungsministerium oder anderen Anbietern informiert.

  1. Neue Formate für mehr Attraktivität:

Berufsorientierung sollte sowohl qualitativer in den regulär stattfindenden Unterricht integriert werden, als auch außerhalb der Schulzeit stattfinden, um weiteren Unterrichtsausfall vorzubeugen. Es wäre zum Beispiel möglich, Berufstätige aus unterschiedlichen Berufszweigen in den Unterricht oder zu Projekttagen einzuladen. Praxisberichte von Auszubildenden könnten einen besseren Einblick in berufliche Ausbildung geben und diese wieder attraktiver machen. Auf jeden Fall sollten die Angebote attraktiver gestaltet und mit zeitgemäßen Medien gearbeitet werden. So sollten zum Beispiel auch Psychologisch Tools kostenlos für die Schüler nutzbar sein. Praktikumsmessen sollten in den Schulen angeboten und in Kooperation mit lokalen Unternehmen stattfinden.

Ein eigenes Fach berufliche Bildung lehnen wir ab, wenn WiPo und Erdkunde, oder andere Fächer dafür wegfallen oder reduziert werden. Stattdessen sollte ein solches Programm am Nachmittag außerhalb des regulären Unterrichts auf freiwilliger Basis angeboten werden.

Wenn ein Unterrichtsfach für berufliche Bildung eingeführt wird, sollten folgende Inhalte vermittelt werden:

  • Bewerbungstraining: Gespräch, Videobewerbung, Bewerbungsunterlagen, Online-Tools, Accessment-Center-Training
  • Betriebsbesichtigung mit praktischem Teil (Block)
  • Projekte mit regionalen Betrieben
  • allg. Information zu den unterschiedlichen Ausbildungswege
  • Psychologische Testverfahren
  • Gründungen/ Entrepreneurship
  1. Wege aufzeigen

Im Zentrum der Berufsorientierung sollten ausführliche Informationen über den Ablauf und die Unterschiede der möglichen Bildungswege stehen (in Abh. von der besuchten Schule: Ausbildung, duales Studium (praxis- oder ausbildungsorientiert), Studium, Abiprogramm, Berufsabitur etc.). Um die Attraktivität der Ausbildungsberufe wieder zu steigern, sollten die Möglichkeiten zur Verkürzung der beruflichen Ausbildung, für Förderprogramme (Bafög, Wohngeld, Assistierte Ausbildung und Ausbildungsbegleitende Hilfen), sowie für Auslandsaufenthalte erläutert werden (Erasmus+). Wichtig ist es auch die Aufstiegschancen nach Ausbildung aufzeigen.

Bisher zu kurz kommt der Bereich Unternehmertum. Deswegen sollte den Schülern auch der Bereich des Entrepeneurships, unternehmerisches Denken und Handeln nahe gebracht werden.

HSG Novelle: Stärken wir die Studierendenschaften in Schleswig-Holstein!

Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein setzen sich im Rahmen der Novellierung des Landeshochschulgesetzes für eine im HSG verfasste Landesstudierendenvertretung ein. Diese soll die bereits vorhandene Landesastenkonferenz ersetzen, welche aktuell keine rechtliche und eine lediglich dürftige demokratische Legitimation besitzt. Über die Landesstudierendenvertretung sollen hochschulübergreifende Projekte für die Studierendenschaften in Schleswig-Holstein koordiniert und umgesetzt werden. Zudem kommuniziert diese der Landespolitik gegenüber die Beschlüsse, welche durch sie als Beschlussgremium gefasst wurden. Für die Bestimmung der Stimmberechtigten Mitglieder pro Hochschule wird ein Verteilungsschlüssel eingeführt, wonach die die Anzahl pro Hochschule sich an der Zahl eingeschriebener Studierender orientiert. Der Schlüssel muss so ausgestaltet sein, dass keine Hochschule die alleinige Mehrheit innerhalb der Landesstudierendenvertretung besitzt und die Meinungspluralität zwischen den unterschiedlichen Hochschulen in angemessener Weise abgebildet werden kann. Die Wahlperiode der Landesstudierendenvertretung beginnt landesweit an einem einheitlichen Datum, um die Arbeitsfähigkeit des Gremiums sicherzustellen und Turbulenzen durch ständig wechselnde Besetzungen zu vermeiden.

Für die Wahl der Hauptvertreter und ihre Stellvertreter gibt es zwei Möglichkeiten, von denen sich für eine durch einen Beschluss des zu beschließenden Gremiums der Jungen Liberalen Schleswig-Holstein ausgesprochen werden muss:

Gewählt werden die Hauptvertreter und ihre Stellvertreter für jeweils ein Jahr durch das Studierendenparlament ihrer jeweiligen Hochschule.

Außerdem fordern die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein, dass den ASten zukünftig kein Auftrag zur politischen Bildung mehr zufließt, wie es im aktuellen HSG festgeschrieben ist. So soll dafür gesorgt werden, dass sich der Allgemeine Studierendenausschuss einer Hochschule in jedem Fall politisch neutral verhält, solange ein Thema nicht direkt den Betrieb der jeweiligen Hochschule oder die Studierenden selbst aus einer explizit hochschulpolitischen Perspektive heraus betrifft. So soll sichergestellt werden, dass sich ein AStA auch tatsächlich um die Belange der Studierenden kümmert und sein  Mandat nicht dafür missbraucht, eine politische Agenda zu popularisieren.

Schule digital gestalten

Der Besitz digitaler Kompetenzen wird in den nächsten Jahrzehnten unablässiger denn je. Besonders die frühe Förderung zur Bildung dieser in unseren Schulen ist deshalb von großer Bedeutung.

Hierzu fordern die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein im Einzelnen:

1. Mehr Budget für Lernkonzepte für zeitgemäßen Unterricht

Um Lernkonzepte auszuarbeiten bedarf es ein größeres Budget. Es braucht einen Plan wie Digitalisierung an Schulen umgesetzt wird. Hierbei soll der Schule aber Ihre Autonomie gewahrt werden. Der Schwerpunkt eines solchen Lernkonzepts sollte vor allem auf das individuelle Lernen gesetzt werden. Passiert die Entwicklung solcher Konzepte an Schulen nur bedingt, soll die Möglichkeit geschaffen werden, Unterstützung vom Land bei der individuellen Ausarbeitung dieser zu erhalten.

2. WLAN an allen Schulen
Jede Schule in Schleswig-Holstein soll WLAN haben, sodass die Schüler in der Schule das Internet als Medium zum Lernen nutzen können und somit das volle Potenzial digitaler Medien ausgeschöpft werden kann.Ein schulenübergreifendes Konzept vergleichbar mit “eduroam” – im Idealfall eine Öffnung des Projekts für alle Bildungseinrichtungen – wird angestrebt.

3. Verantwortungsvoller und kritischer Umgang mit digitalen Medien

Die Fähigkeit mit digitalen Medien verantwortungsvoll und kritisch umzugehen ist essentiell für die neue Art des Lernens. Wenn Schüler und Lehrer sich den Chancen und Risiken des Internets bewusst sind, kann ein nachhaltig gestalteter Unterricht nachhaltig gestaltet werden. Daher sollten nicht nur die positiven Aspekte der Nutzung digitaler Medien beleuchtet werden, sondern auch die Risiken. Zu fokussieren sind u.a. Cyber-Mobbing und Quellenkritik.Entsprechende Lerninhalte sollen deshalb in den Lehrplan eingefügt werden.

4. Digitale Konzepte nicht nur nutzen, sondern in der Zukunft gestalten können.
Digitale Lernkonzepte sollen nicht nur zusätzliche Unterrichtsmethoden beinhalten, sondern darüber hinaus das Interesse an technischen und informatischen Berufen stärken. Der verstärkte Einsatz digitaler Medien soll daher mit einem Ausbau des Informatik Unterrichts einhergehen. Robotik AGs, Hackathons und Ähnliches sollen von Schulen stärker unterstützt werden. Für solche Projekte sollen Kooperationen mit lokalen Unternehmen möglich sein.

5. Digitale Schulbücher – länderübergreifende Initiativen
Es gibt bereits die Möglichkeit Schulbücher in digitaler Form zu erwerben. Diese sind aber oft sehr teuer. Hierzu fordern wir Initiativen zu länderübergreifenden Verhandlungen mit Verlagen, die solche Schulbücher anbieten, sodass digitale Schulbücher durch Kooperation unter den Ländern kostengünstiger angeboten werden können. Schulbücker, die im Schulkanon vorgesehen sind, sollen, außer in begründeten Ausnahmefällen (z.B. Klausurrelevanz), nicht verpflichtend analog gekauft werden müssen, wenn diese stattdessen digital erworben werden können.

6. Kompetenzweiterbildung von Lehrern und Schülern
Es ist notwendig, dass Schüler und Lehrer ausreichend Kompetenzen im Feld der digitalen Medien haben, um den Schulunterricht fortschrittlich zu gestalten. Hierzu fordern wir:
Einen Projekttag „Digitale Medien“ an Schulen in Schleswig-Holstein.
Entweder kann eine Schule einen solchen Projekttag selber ausarbeiten und nach Prüfung auf Nutzen des Konzepts finanzielle Mittel des Landes erhalten oder es werden Initiativen, wie zum Beispiel „ErlebeIT“ beauftragt einen solchen Projekttag zu veranstalten. Initiativen, wie „ErlebeIT“ oder ähnliche Anbieter, sollen höhere Gelder erhalten, um mehr Schulen erreichen zu können.
Außerdem fordern wir verpflichtende Fortbildungen für Lehrer.
Wir setzen uns dafür ein, dass gesamteinheitliche Angebote zur Fortbildung, beispielsweise seitens des IQSH, aber auch anderen Anbietern, verstärkt in den Vordergrund gebracht werden und betroffene Lehrkräfte dazu verpflichtet werden mit mindestens einer Fortbildung im Jahr sich im digitalen Spektrum weiterzuentwickeln.

7. Nutzung von Onlineportalen zur Schüler-Lehrer Kommunikation
Portalserver, wie „Iserv“ oder NetMan bieten Schülern und Lehrern die Möglichkeit online zu kommunizieren. Es können Hausaufgaben, Präsentation und andere Dateien verschickt werden. Jede Schule soll ein solches Portal einrichten, um die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern effizienter zu gestalten.

8. Kein Nachteil für fortschrittliche Schulen

Wenn eine Schule bereits aus eigener Initiative zur Digitalisierung beigetragen hat, durch beispielsweise Spenden, soll diese keine Nachteile haben, wenn Gelder mit dem Ziel der Digitalisierung vom Land an Schulen verteilt werden.

9. Leitung den Profis überlassen

Um eine kommende oder bereits bestehende digitale Infrastruktur in einer Schule zu bewältigen, benötigt es die Expertise von Fachleuten, die sich um anfallende Arbeit zur Erhaltung des digitalen Arbeitsnetzwerks kümmern. Die hierfür notwendigen Stellen sind zu schaffen und finanzielle Mittel von Landesseite zur Verfügung zu stellen.

10. Digitalisierung darf nicht am Portmonnaie scheitern
Wir fordern die Aufnahme von digitalen Endgeräten in die Leistungskataloge der
Sozialgesetzbücher, um jedem Schüler die Möglichkeit zu geben am Unterricht der Zukunft teilzunehmen. Die Leistungen sind dementsprechend anzupassen, das die betreffenden Schüler mit vergleichbarer und kompatibler Hard- und Software ausgestattet werden. Ungleichheiten auf Grundlage des Einkommens der Eltern müssen verhindert werden und bestehende Ungleichheiten müssen beseitigt werden.

Pilotprojekt für ein duales Lehramtsstudium

Zwei der größten Probleme des deutschen Bildungssystems sind der Lehrermangel und
 die praxisferne Ausbildung. Ein duales Studium für den Lehrerberuf kann zur Lösung
 dieser Probleme in großem Maße beitragen. Daher fordern die Jungen Liberalen
 Schleswig-Holstein die Einrichtung eines Pilotprojektes für ein duales
 Lehramtsstudium, das gleichwertig mit dem aktuellen Universitätsstudium sein soll.
 Ein duales Studium ermöglicht eine aktive Einbindung der Lehramtsstudenten in den
 Unterrichtsalltag, wirkt Unterrichtsausfällen entgegen und gewährleistet eine
 lückenlosere Ausbildung der Schüler. Weiterhin wird es durch diese Einbindung
 möglich, dass die Studenten das Unterrichten kennenlernen und auf den Arbeitsalltag
 in der Schule angemessen vorbereitet werden.

Politik und Demokratie als verständliche kindgerechte Bildungsgrundlage

Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein setzen sich für die Einführung eines verpflichtenden Politikunterrichts im Umfang von einer Wochenstunde in der Primarstufe in Klasse 3 und 4 im Rahmen des Heimat- Weltkunde- und Sachunterrichtes (kurz HWS) ein. Hierzu ist der Lehrplan in den Schlüsselqualifikationen und Lernfeldern, um den Begriff Politik zu ergänzen. Des Weiteren soll der Lehrplan in seiner inhaltlichen Konkretisierung grundlegende politische Inhalte thematisieren.

Medizinstudium – für ein faires PJ!

Medizinstudierende absolvieren nach bestandenem schriftlichem Abschlussexamen ein verpflichtendes praktisches Jahr in medizinischen Einrichtungen, den größten Anteil davon in Krankenhäusern. Das Praktikum dient der Vorbereitung auf die verantwortungsvolle Arzttätigkeit und sieht vor, dass die Studierenden unter Anleitung eines Arztes ärztliches Handeln erlernen, um den späteren Sprung vom Medizinstudium in die Arzttätigkeit – mit Verantwortung für die Gesundheit und das Leben anderer Menschen – möglichst klein zu halten und die dann anvertrauten Aufgaben gut vorbereitet meistern zu können.

 

Die Regularien sehen eine 40-Stunden-Woche sowie 30 Tage Praktikumsfreiheit inklusive Krankheitstagen für das gesamte Jahr vor. In der Realität ist es aufgrund von allgemeinem Personalmangel im Gesundheitswesen absolut üblich, dass Studierende reguläre Tätigkeiten der Krankenhausroutine übernehmen und fest in den Abläufen der Krankenhäuser eingeplant sind. Kapazitäten für Lehrveranstaltungen oder individuelle Fortbildung sind oft nicht vorhanden.

Dennoch wird das praktische Jahr trotz Vollzeit-Tätigkeit nicht verpflichtend vergütet. Ein Viertel der Krankenhäuser entlohnen überhaupt nicht. Dazu zählt auch das UK-SH. Über ein Drittel der Studierenden müssen in diesem Jahr zusätzlich einem Nebenjob nachgehen oder leben von ihrem Ersparten.

 

Wir Jungen Liberalen Schleswig-Holstein fordern daher:

  • Eine verpflichtende Vergütung des praktischen Jahres an allen Krankenhäusern und Arztpraxen in Schleswig-Holstein mindestens in der Höhe des aktuellen Höchstbetrags für Minijobs bzw. im Rahmen der erlaubten Verdienstgrenze für Nebenjobs nach BaFög-Gesetz.
  • Krankheit wird nicht mehr auf die Praktikumsfreiheitstage angerechnet. Dabei sind bis zu 17 Krankheitstage im Jahr (Durchschnittswert für Krankheitstage bei Arbeitnehmern in Deutschland) als angemessen anzusehen und dürfen nicht die Erfüllungsbedingungen des Praktikums tangieren.
  • Das Recht für Studierende im praktischen Jahr auf mindestens 4 Stunden Lehrveranstaltungen, oder alternativ Selbststudium, pro Woche.

 

Diese Forderungen sind essenzielle Veränderungen des rechtlichen Rahmens des PJ, um gewährleisten zu können, dass das praktische Jahr dem Ziel, Studierende auf die spätere Arzttätigkeit mit ihrer großen Verantwortung vorzubereiten, auch gerecht wird. Sie sind notwendig, damit das Pflichtjahr effektiv für den eigenen Wissens- und Erfahrungsschatz, unabhängig von der finanziellen Situation des Studierenden und unter akzeptablen Bedingungen abgeleistet werden kann.

Gründersemester – Wir supporten junge Gründer

In Schleswig-Holstein studieren momentan rund 58.000 junge Menschen. Das sind 58.000 potenzielle Gründerinnen und Gründer. Die Top Start-Up-Hochschulen liegen in Rheinland-Pfalz, Bayern und Berlin. Schleswig-Holstein gehört nicht dazu. Doch woran liegt das? Die Gründung eines neuen, innovativen Start-Ups ist nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich sehr aufwendig. Die wenigsten Studierenden haben den Mut, bereits während des Studiums ein Unternehmen zu gründen, weil das neben einem Studium nur schwer machbar ist. Ein oder zwei Urlaubssemester sind daher sinnvoll, damit sich gründungswillige Studierende auf die Umsetzung ihrer Geschäftsidee konzentrieren können. Jedoch ist das aktuell nicht möglich. Ergo müsste jeder, der für die Unternehmensgründung ein oder zwei Semester pausiert, sein Studium abbrechen. Niemand sollte sich zwischen dem Gründen und dem Studium beziehungsweise dem Fortsetzen dessen entscheiden müssen. Schleswig-Holstein soll das Start-up Bundesland werden! Wir fordern daher, das Gründertun zu fördern, indem wir den Studierenden an allen Hochschulen in Schleswig-Holstein die Möglichkeit geben, mithilfe des Gründersemesters, fokussiert an Ihrem Start-Up zu arbeiten. Falls gewünscht, sollen die Gründer ihr Studium nach einer gewissen Zeit fortsetzen, ohne es von vornherein abbrechen zu müssen.

Schule – eine neue Zeit für Gerechtigkeit

Der frühe Schulstart stellt eine faktische Diskriminierung von Langschläfern und Spätaufstehern dar und sollte deswegen – in Anlehnung an den aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft – neu bewertet und angepasst werden.
Daher fordern die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein:

• Die daraus resultierenden Ergebnisse sollen anschließende im Falle der Bewährung um Positivbeispiele zur Verfügung gestellt werden. Jede Schule soll unter Einbeziehung der Schulgremien über den Schulbeginn individuell entscheiden.
• Eine Auswahl von mehreren Modellschulen (z.B. fünf), darunter Grund- und weiterführende Schulen, an denen der allgemeine Schulbeginn nach hinten gelegt wird (z.B. 08:30 Uhr). In Kooperation mit einer der medizinischen Fakultäten Schleswig-Holsteins wird dann unter wissenschaftlicher Aufsicht Leistung, Wohlbefinden und Gesundheit der Schüler systematisch erhoben und ausgewertet. Hierzu sollen explizit auch die Schüler befragt werden, auch gerade auf die Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung. Darüber hinaus sollen auch die Auswirkungen auf das Familienleben untersucht werden, gerade mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit.
• Unter Einbezug der Ergebnisse der Untersuchung an den Modellschulen, aller relevanten Faktoren und wissenschaftlichen Erkenntnissen soll eine fundierte Neubewertung des allgemeinen Schulbeginns erfolgen. Insbesondere organisatorische Bedenken dürfen dabei aber nicht als einfacher Ablehnungsgrund angeführt werden, da gute Bildung auf wissenschaftlicher Grundlage Kernanliegen unserer Gesellschaft sein muss.

 

Begründung:

Weltbeste Bildung ist ein zentrales Anliegen der Jungen Liberalen. Jeder Schüler und jede Schülerin soll unter optimalen Bedingungen lernen können. Hierzu gehört auch die Berücksichtigung des individuellen Biorhythmus nach aktuellem wissenschaftlichem Stand. In Schleswig-Holstein beginnt die Schule flächendeckend um acht Uhr morgens. Diese Zahl ist historisch begründet und hat keine wissenschaftliche Grundlage. Umfangreiche Forschungsergebnisse zeigen den positiven Einfluss eines späteren Schulbeginns auf das Lern- und Arbeitsverhalten vieler Schülerinnen und Schüler. In anderen europäischen Ländern, beispielsweise in Skandinavien, beginnt die Schule bereits später.

Die Begründung dafür liegt in einem komplexen System aus Nervenzellen und Hormonen, das den Tag-Nacht-Rhythmus, die sogenannte circadiane-Rhythmik steuert. Viele Faktoren wie Stress, Lebensmittel oder Licht werden in die Regulation des Biorhythmus einbezogen, aber können ihn nicht komplett ausschalten. Die aktuelle Forschung hat diesbezüglich schon einige Erkenntnisse gewonnen: In jedem Menschen tickt eine innere Uhr, die individuell unterschiedlich gestellt ist. Einige Menschen tendieren entsprechend der inneren Uhr zum späten und manche zum frühen Aufstehen, sind also zeitlebens Frühaufsteher oder Spätaufsteher. Im Zuge des Älterwerdens verändert sich auch der Schlaf gemeinsam mit der inneren 23 Uhr – viele Kinder werden von Frühaufstehern als Babys zu Spätaufstehern in der Schulzeit.

Das individuelle Verhalten hat Einfluss auf die innere Uhr und damit auch auf Gefühle wie Wachheit, Konzentration und Wohlbefinden wobei Verhaltensgewohnheiten, die entgegen der inneren Uhr laufen, das Wohlbefinden negativ beeinflussen und im Extremfall auch gesundheitliche Konsequenzen haben.

Digitalisierung des juristischen Staatsexamens

Die erste juristische Staatsprüfung setzt sich in Schleswig-Holstein aus sechs, die zweite aus acht fünfstündigen Klausuren zusammen, die binnen zwei Wochen zu schreiben sind.  Aufgrund des Umfangs stellt das Absolvieren der Prüfung für die Studierenden und Referendare nicht nur eine enorme psychische, sondern auch physische Herausforderung dar. Um dem physischen Aspekt entgegenzuwirken, fordern die Jungen Liberalen SH, dass die Prüfungen infolge eines angemessenen Zeitraums der Entwicklung und Evaluation elektronisch angefertigt werden. Es haben Absprachen mit den Universitäten stattzufinden, sodass die Studierenden bereits im Laufe ihres Studiums die Möglichkeit haben, sich an das elektronische Prüfungsformat zu gewöhnen. Die Umsetzung hat unter Wahrung der Chancengleichheit zu erfolgen, sodass für diejenigen Prüflinge, die über keinen geeigneten Laptop verfügen, durch das Prüfungsamt einer bereitzustellen ist. Die Prüfungssoftware hat zu gewährleisten,  dass kein Raum für Täuschungsversuche gelassen wird.

Das neue Umwelt-ABC – von Aubergine bis Zucchini

Der Bezug von lokal und saisonal angebauten Lebensmitteln ist eine gesunde und umweltschonende Ernährungsweise. Um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auf Landesebene konkret anzuwenden und die Bildung für nachhaltige Entwicklung zu stärken, fordern wir die sukzessive Schaffung beispielsweise von Gemüse- und Obstgärten bzw. Hochbeeten an allen Grundschulen in Schleswig-Holstein. Hierüber soll spielerisch der Erwerb von Kenntnissen einer gesunden Ernährung als auch der Vorgänge in der Natur ermöglicht werden. Wünschenswert wäre die Einbindung im Rahmen eines passenden Unterrichts

Lebensrettung ist keine Frage des Alters

Das Wissen um Notrufnummern, stabile Seitenlage oder auch, einen Verband anzulegen, ist auch vor der bevorstehenden Führerscheinprüfung für junge Menschen wichtig. Wenn junge Menschen sensibilisiert und ggf. auch weniger ängstlich sind, wenn es beispielsweise ihren Eltern oder Großeltern nicht gut geht, können Leben gerettet werden. Bundesweit gibt es bereits Institutionen, die Erste-Hilfe-Kurse für Kita- und Grundschulkinder anbieten. Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein bitten daher die Grundschulen in Schleswig-Holstein, Erste-Hilfe-Kurse flächendeckend für alle Schülerinnen und Schüler, z.B. im Rahmen eines Projekttages, anzubieten. Darin soll auch ein Notruf, beispielsweise mit einer Person von Feuerwehr oder Polizei, geübt werden. Die notwendigen finanziellen Mittel sind bereitzustellen.