03.06.2023

Unsere Offensive für die mentale Gesundheit

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sind jedes Jahr rund 30 Prozent der Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Die Anzahl der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen hat sich seit 2009 fast verdreifacht. Im Jahr 2019 waren bereits 18,5 Prozent aller Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen bedingt. Nur etwa jeder fünfte Betroffene nimmt Kontakt zu einem Psychotherapeuten auf. Wer die Kraft hat, sich professionelle Hilfe zu suchen, der verzweifelt oft. Wartezeiten im Schnitt bis zu neun Monaten oder länger sind keine Seltenheit. In dieser Zeit leiden Betroffene enorm, wodurch ihre Lebensqualität drastisch sinkt. So verlieren viele Menschen ihren Job, brechen ihr Studium ab, distanzieren sich von ihrem sozialen Umfeld und geben ihr Leben im schlimmsten Fall ganz auf. Dieser desolate Zustand in Deutschland ist nicht mehr schönzureden. Wir als Junge Liberale Schleswig-Holstein wollen mit gutem Beispiel voran gehen und zur Endtabuisierung des Themas beitragen. Wir fordern die Politik dazu auf, so schnell wie möglich zu handeln.

Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein fordern daher:

Bürokratiehürden abbauen

Als Sofortmaßnahme zur Verkürzung der Wartezeiten auf einen Therapieplatz soll das Kostenerstattungsverfahren vereinfacht werden. Damit können Betroffene psychotherapeutische Leistungen auch bei Therapeuten ohne Kassenzulassung einfacher in Anspruch nehmen. Künftig soll eine Bescheinigung durch einen Therapeuten im Erstgespräch ausreichen, um das Kostenerstattungsverfahren in Anspruch nehmen zu können.

Die Erhöhung der Anzahl an Therapieplätzen

Um die Anzahl der Therapieplätze langfristig auszuweiten, müssen die Kassensitze für Psychotherapeuten deutlich erhöht werden. Das Ziel muss sein, die Wartezeiten so zu reduzieren, dass Betroffene innerhalb weniger Wochen einen Therapieplatz erhalten können.

Psychosoziale Beratungsstellen stärken

Wir setzen uns für die Förderung von psychosozialen Beratungsstellen insbesondere an Hochschulstandorten ein. Damit psychosoziale Beratung allen Menschen gleichermaßen zugutekommt, fordern wir die Ausweitung von digitalen Beratungsmöglichkeiten.

Die Förderung von Forschung und Entwicklung

Deutschland darf auch im Bereich der Psychotherapie nicht stillstehen, sondern muss in Forschung und Entwicklung investieren. Verfahren wie z.B. Hypnotherapie, Ego-State-Therapie oder „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ (EMDR) helfen nachweislich den betroffenen Menschen. Daher muss stetig überprüft werden, ob bisher nicht offiziell zugelassene Therapieverfahren auch hierzulande anerkannt und praktiziert werden können.

Mehr Reform in der Psychotherapieausbildung wagen – auch bei der Digitalisierung

Darüber hinaus muss eine Vermittlung von digitalen Kompetenzen erfolgen: Angesichts des zunehmenden Einsatzes von Technologie in der Psychotherapie könnte die Ausbildung besser auf den Umgang mit digitalen Therapieformen und technologischen Hilfsmitteln vorbereiten. Dies umfasst die Ausbildung in der Nutzung von Online-Plattformen, virtuellen Therapiesitzungen und anderen digitalen Werkzeugen.

Mehr psychische Gesundheit an Schulen

An Schulen soll das Thema „Mentale Gesundheit“ im Rahmen des Unterrichts in den Grundzügen diskutiert werden, so dass mehr Aufklärung erfolgt, Lehrer und Schüler sensibilisiert werden, Prävention und Früherkennung gestärkt wird und sich bereits im jugendlichen Alter ein normaler Umgang mit mentaler Gesundheit entwickelt. Es soll ferner auch sichergestellt werden, dass an allen Schulen ausreichend Schulsozialarbeiter sowie schulpsychologische Beratungsangebote bereitstehen.

Auch externe Workshops zum Thema mentale Gesundheit an Schulen begrüßen wir sehr.

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