Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein haben auf ihrem 97. Landeskongress einen neuen Landesvorstand gewählt: An dessen Spitze steht künftig Lukas Ellgoth. Der 25 Jahre alte Jurastudent aus Pinneberg führt gemeinsam mit dem Spitzenkandidaten Finn Flebbe den Verband in den Landtagswahlkampf 2027. Mit der Neuwahl richtet sich der Landesverband gut sechs Monate vor der Landtagswahl am 18. April 2027 neu aus. Ellgoth, selbst Kommunalpolitiker und auf Listenplatz 10 der FDP zur Landtagswahl nominiert, verbindet mit seiner Kandidatur einen klaren Anspruch: Die Jungen Liberalen sollen nicht Zuschauer der politischen Entwicklung sein, sondern sie selbst prägen. „Wir wollen es selber besser machen und beweisen, dass die FDP in Schleswig-Holstein wieder zu einer politischen Kraft werden kann, an der kein Weg vorbeiführt“, sagt Ellgoth. Dahinter steht für ihn mehr als das Ziel des parlamentarischen Wiedereinzugs. Nach schwachen Wahlergebnissen und Rückschlägen der vergangenen Jahre sieht er die Liberalen in der Pflicht, verlorenes Vertrauen durch politische Substanz zurückzugewinnen. „Die FDP ist die Lösung für viele gesellschaftliche Probleme, die gerade kursieren.“ Für seine eigene Kandidatur formuliert Ellgoth den Anspruch entsprechend knapp: „Ich will es selber besser machen.“
Neuer Landesvorstand mit Blick auf den Wahlkampf
Zum neuen Pressechef wurde Bjarne Labahn gewählt. Der 20 Jahre alte Jurastudent aus Uetersen sieht insbesondere in der öffentlichen Wahrnehmung von Jungen Liberalen und FDP erheblichen Handlungsbedarf. In Gesprächen in seinem persönlichen Umfeld stelle er immer wieder fest, dass das Bild von Partei und Jugendverband von deren eigenem Anspruch deutlich abweiche. „Diese Differenz können wir nicht hinnehmen und müssen sie mit Blick auf die Landtagswahl möglichst schnell ändern“, sagt Labahn. Zugleich zeigt er sich überzeugt, dass eine politische Trendwende möglich ist: „Ich bin überzeugt, dass wir in Schleswig-Holstein den Turnaround schaffen.“ Unterstützt wird er im Ressort Presse und Öffentlichkeitsarbeit von Tristan Schlabritz und Jan Hinrich Gooß. Die programmatische Verantwortung übernimmt Skade Nielsen Niquet. Der 22-jährige angehende Wirtschaftspsychologe, der selbst auf Listenplatz 11 der FDP-Landesliste zur Landtagswahl kandidiert, wird als Landesprogrammatiker insbesondere dafür verantwortlich sein, das Wahlprogramm der Jungen Liberalen im Landtagswahlkampf sichtbar zu machen und gemeinsam mit dem Ressort Presse und Öffentlichkeitsarbeit die Forderungen des Verbands in alle Regionen Schleswig-Holsteins zu tragen. Unterstützt wird Nielsen Niquet dabei von Marie-Lena Baschke aus Pinneberg. Für die Organisation des Landesverbands ist künftig Anneke Geist verantwortlich. Die 29-jährige Lehrerin im Vorbereitungsdienst wurde zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Sie will ihre Arbeit insbesondere an den Bedürfnissen der Kreisverbände und der liberalen Kandidierenden ausrichten. Bestehende Veranstaltungsformate sollen fortgeführt und zugleich neue Angebote gemeinsam mit den Kreisverbänden entwickelt werden. Ziel ist ein Landesverband, der im Wahlkampf nicht nur programmatisch, sondern auch organisatorisch in der Fläche präsent ist. Unterstützt wird Geist von Tjark Otto und Jannes Hagemann. Neue Landesschatzmeisterin ist Cindy Lembke. Die 33-jährige Diplom-Finanzwirtin übernimmt die finanzielle Verantwortung für den Landesverband und soll dafür sorgen, dass die Jungen Liberalen den bevorstehenden Landtagswahlkampf auf einer soliden finanziellen Grundlage führen können.
„Möglichmacher“: JuLis erklären politischem Stillstand den Kampf
Neben den personellen Entscheidungen setzte der Landeskongress vor allem ein inhaltliches Signal. Unter dem Titel „Möglichmacher – dein Weg braucht keine Begründung“ beschlossen die Jungen Liberalen ihr Programm für die Landtagswahl 2027. Der Titel ist zugleich politischer Anspruch. Der Jugendverband wendet sich gegen eine Politik, die aus seiner Sicht zu häufig verwaltet, verzögert und reguliert, statt Gestaltungsspielräume zu eröffnen. Marode Infrastruktur, langsame Verwaltungsverfahren, hohe bürokratische Belastungen und fehlende Aufstiegschancen seien keine Naturgesetze, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Die Jungen Liberalen fordern deshalb einen Rollenwechsel des Staates: weniger Bevormundung, mehr Ermöglichung. Verwaltung soll sich als effizienter Dienstleister verstehen und Bürgerinnen und Bürgern Freiräume eröffnen, statt neue Hürden zu schaffen.
Eine Milliarde Euro zusätzlich für Bildung
Einen besonderen Schwerpunkt setzt das Programm bei der Bildungspolitik. Die Jungen Liberalen fordern eine zusätzliche Bildungsmilliarde: Die jährlichen Bildungsausgaben Schleswig-Holsteins sollen dauerhaft um eine Milliarde Euro steigen und anschließend jedes Jahr um mindestens fünf Prozent dynamisiert werden. Damit verbinden die JuLis weitreichende strukturelle Veränderungen. Sie fordern eine Unterrichtsversorgung von 110 Prozent, größere finanzielle und organisatorische Freiheiten für Schulen, das duale Lehramtsstudium als Regelfall sowie regionale Talentzentren. Der Anspruch dahinter: Bildungserfolg soll weniger von Herkunft, Wohnort oder Einkommen der Eltern abhängen. Schulen sollen die Freiheit erhalten, Probleme vor Ort eigenständig zu lösen, statt auf Entscheidungen aus Kiel warten zu müssen.
Bürokratieabbau und ein digitaler Staat bis 2030
Auch bei Verwaltung und Wirtschaft setzen die Jungen Liberalen auf grundlegende Veränderungen. Ein verbindliches One-In-Two-Out-Prinzip soll dafür sorgen, dass für jede neue bürokratische Belastung zwei bestehende entfallen. Gesetze sollen grundsätzlich mit sogenannten Sunset-Klauseln versehen werden und damit nach einem festgelegten Zeitraum überprüft oder außer Kraft gesetzt werden. Genehmigungsverfahren wollen die JuLis durch eine konsequente Genehmigungsfiktion beschleunigen: Entscheidet eine Behörde nicht innerhalb einer festgelegten Frist, soll ein Antrag grundsätzlich als genehmigt gelten. Bis 2030 soll die Verwaltung Schleswig-Holsteins vollständig digital arbeiten können. Gleichzeitig sieht das Wahlprogramm konkrete finanzielle Entlastungen für junge Menschen vor. Die Jungen Liberalen fordern die vollständige Abschaffung von Sozialabgaben auf Ausbildungsvergütungen und Nebenjobs sowie eine Verdopplung der Wohnheimplätze in Schleswig-Holstein. In der Innen- und Digitalpolitik grenzt sich der Verband zugleich klar von zusätzlichen staatlichen Überwachungsinstrumenten ab. Eine Chatkontrolle und eine anlasslose Ausweitung staatlicher Überwachung lehnen die Jungen Liberalen ab.
Der Wahlkampf beginnt jetzt
Für den neuen Landesvorstand ist der Kongress damit nicht der Abschluss einer programmatischen Debatte, sondern der Auftakt des Landtagswahlkampfs. Die Jungen Liberalen wollen ihre Themen in den kommenden Monaten in alle Regionen Schleswig-Holsteins tragen. Mitglieder sollen vor Ort Gespräche führen, Veranstaltungen organisieren und politische Präsenz zeigen – von Flensburg bis Lauenburg, in den Städten ebenso wie im ländlichen Raum. Der 18. April 2027 sei dabei kein abstrakter Termin am Ende eiGes langen Vorlaufs. Der Wettbewerb um politische Aufmerksamkeit, Vertrauen und Mehrheiten habe bereits begonnen. Mit dem beschlossenen Programm und dem neu gewählten Vorstand wollen die Jungen Liberalen frühzeitig deutlich machen, mit welchem politischen Anspruch sie in die Wahlauseinandersetzung gehen.
Ellgoth ergänzt: „Das Beste liegt vor uns – lasst es uns angehen!“