An deutschen Universitäten verbinden Professuren traditionell Forschung und Lehre in
einem einzigen Aufgabenprofil. Dies führt häufig zu einer hohen Arbeitsbelastung und
erschwert es, in beiden Bereichen Spitzenleistungen zu erbringen. Während einige
Professoren ihre Stärke in der Forschung sehen, liegen die Talente anderer klar im
Bereich der Lehre. Gleichzeitig profitieren Studierende von aktueller Forschung, die
durch die Lehrverpflichtung oft nur eingeschränkt vermittelt werden kann.
Die Jungen Liberalen Schleswig-Holstein stehen für Freiheit, Spezialisierung und
Effizienz, auch in der akademischen Welt. Wir sehen ein erhebliches Potenzial darin,
Professuren nach ihren Kernkompetenzen zu differenzieren, um Lehrqualität,
Forschungsleistung und Karrierewege transparent und leistungsorientiert zu gestalten.
Darum fordern wir:
1. die Einführung von zwei klar getrennten Professurenprofilen. Lehrprofessoren
sollen mindestens 80 Prozent ihrer Arbeitszeit auf Lehre, Betreuung von Studierenden,
Curriculumentwicklung und innovative Lehrmethoden konzentrieren. Sie können sich
freiwillig an Forschungsprojekten beteiligen, übernehmen jedoch keine
Leitungsverantwortung. Ihre wissenschaftliche Qualifikation bleibt Voraussetzung, um
die akademischen Standards sicherzustellen. Forschungsprofessoren hingegen sollen
sich vollständig auf Forschung, Publikationen, Drittmittelprojekte und internationale
Kooperationen konzentrieren und keine verpflichtenden Lehrverpflichtungen haben. Sie
sollen methodisch hochwertige Forschung durchführen.
2. die Entwicklung klarer Karrierepfade und Anreizsysteme für beide Profile.
Lehrprofessoren sollen Prestige, Beförderungsmöglichkeiten und Evaluationssysteme
erhalten, die ausschließlich auf Lehrqualität, Innovationskraft in der Didaktik und
Erfolg in der Betreuung von Studierenden basieren. Forschungsprofessoren sollen ihre
Leistungen primär über Publikationsqualität, Drittmittelakquise und internationale
Vernetzung nachweisen. Vergütungssysteme sollen transparent gestaltet werden und
beiden Profilen gleichermaßen Anerkennung verschaffen.
3. eine Arbeitszeit- und Ressourcenregelung, die die optimale Nutzung von Personal
und Infrastruktur sicherstellt. Lehrprofessoren übernehmen überwiegend
Lehrveranstaltungen, Übungen, Tutorien und Prüfungsvorbereitung, während
Forschungsprofessoren bevorzugten Zugang zu Laboren, Fördermitteln und
Forschungspersonal erhalten. Studierende sollen von beiden Profilen profitieren, etwa
durch gemischte Seminare oder Mentoring-Programme, um den Kontakt zu aktueller
Forschung und innovativer Lehre zu gewährleisten.
4. eine Evaluation und Qualitätssicherung, die die Leistungen beider Profile
angemessen misst und anerkennt. Lehrprofessoren werden anhand von Lehrqualität,
Innovationskraft und Betreuungserfolg bewertet, Forschungsprofessoren anhand von
Publikationsqualität, Drittmittelakquise und wissenschaftlicher Wirkung. Mixed-
Profile, die beide Aufgabenfelder übernehmen, bleiben möglich, erhalten jedoch klare
Zielvereinbarungen und transparente Arbeitszeitaufteilungen.